Holzgrefe über Bürgerwindpark: Geldanlage in Kalkriese: „Alle Risiken berücksichtigt“

von Ralf Große-Endebrock (Kommentare: 0)

Dieter Holzgrefe ist Geschäftsführer der Stadtwerke Bramsche und Mitglied im Vorstand der Bürgerwindgenossenschaft. Foto: Christoph Lützenkirchen

Geldanlage in Kalkriese: „Alle Risiken berücksichtigt“

 

Kalkriese. In den Filialen der Volksbank Bramgau-Wittlage liegen zurzeit die Unterlagen der Bürgerwindgenossenschaft Kalkriese 1 eG aus. Sie kauft Windräder des Windparks der Windpark I Kalkriese GmbH & Co. KG. Beteiligungen sind ab einer Mindestsumme von 3000 Euro möglich.

Die Initiatoren haben eine Rendite von etwa fünf Prozent in Aussicht gestellt. Lohnt sich das Angebot? Und wie riskant ist es?

Wir sprachen mit Dieter Holzgrefe über das Projekt. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Bramsche ist Mitglied im Vorstand der Bürgerwindgenossenschaft.

Herr Holzgrefe, wie ist die bisherige Resonanz auf das Beteiligungsangebot?

 

Dieter Holzgrefe: In den ersten beiden Wochen waren die Reaktionen noch verhalten. Inzwischen nimmt das Interesse deutlich zu. Aktuell liegen uns gut 30 Zeichnungsaufträge vor. Generell gilt, dass sich alle Bramscher Bürger beteiligen können.

Wie viele Windgutachten liegen für den Windpark vor?

Es wurden zwei Windgutachten von zertifizierten Gutachtern eingeholt. Die muss man allein schon vorweisen, um Fremdmittel von den Banken zu erhalten. Zwischen den Ergebnissen der beiden Gutachten gab es nur geringfügige Abweichungen.

Sie haben in Kalkriese Turbinen des dänischen Weltmarktführers Vestas Wind Systems A/S errichtet. Was hat bei der Auswahl des Windanlagenherstellers den Ausschlag gegeben?

Die Entscheidung haben der Projektierer – das IngenieurNetzwerk Energie eG aus Bad Iburg (iNeG) – und die Geschäftsführung der GmbH und Co. KG gemeinsam getroffen. Die Verhandlungen mit insgesamt fünf Anbietern zogen sich über Monate hin. Dabei handelte es sich um Hersteller, deren Kompetenz und Solidität auch seitens der finanzierenden Banken anerkannt wird. Bei der Wahl des Partners wurden zahlreiche Gesichtspunkte berücksichtigt. Da ging es zum Beispiel um die Windgeschwindigkeit an unserem Standort, die ist vergleichsweise gering. Die Geräuschentwicklung spielte eine Rolle und notwendige Abschaltzeiten. Ziel war es, die für die speziellen Bedingungen an unserem Standort wirtschaftlichste Anlage zu finden. Wichtig war natürlich auch der Wartungsvertrag, den wir mit dem Hersteller abgeschlossen haben.

Wie lange garantiert der Hersteller die technische Verfügbarkeit der Anlagen?

Vestas garantiert uns, dass die Anlagen für einen Zeitraum von 16 Jahren zu 97 Prozent verfügbar sind. Wenn dieser Wert unterschritten wird, muss der Hersteller den Ertragsausfall kompensieren.

Welche Windkraftanlagen genau gehören der Genossenschaft?

Wir kaufen die Anlagen mit den Nummern zwei, acht und zwölf. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass alle Anlagen des Windparks gepoolt werden. Sowohl die Kosten als auch die Erlöse werden im Verhältnis drei zu neun aufgeteilt. Die Betreibergesellschaft und die Genossenschaft sind also vollständig gleichgestellt.

Wurde im Rahmen der Projektierung eine Sensitivitätsanalyse mit einem Best- und Worst-Case-Szenario erstellt?

Ja, die Wirtschaftlichkeitsberechnung deckt alle Szenarien ab, die sich ergeben könnten. Sie können davon ausgehen, dass für unsere Prognose von etwa fünf Prozent Rendite, alle denkbaren Risiken berücksichtigt wurden. Die Prognose ist also ausgesprochen konservativ. Dennoch handelt es sich um eine Risikobeteiligung. Wir haben aber versucht, die Risiken über entsprechende Versicherungen möglichst umfassend abzudecken. Das war uns ganz besonders wichtig. Wir als Bramscher berichten den Bramschern. Keiner von uns möchte in Zukunft Jahr für Jahr in der Mitgliederversammlung der Genossenschaft Ergebnisse präsentieren, die unterhalb der Prognosen liegen.

Gibt es eine Liquiditätsreserve in der Planung?

In der Tat. Unsere Planung sieht vor, dass wir in den ersten beiden Jahren keine Ausschüttungen zahlen werden. Die Erträge sollen stattdessen zum Aufbau einer Liquiditätsreserve genutzt werden. Die finanzierenden Banken erwarten von uns, dass wir eine Rücklage vorhalten, die 110 Prozent der jährlich zu leistenden Zins- und Tilgungszahlungen entspricht.

Wie ist die Vermarktung der Stromerträge konzipiert?

Wir arbeiten mit einem Unternehmen zusammen, das sich auf die Direktvermarktung spezialisiert hat. Der Partner verkauft den gesamten erzeugten Strom an der Strombörse European Energy Exchange in Leipzig. Ausbezahlt wird uns der preisliche Mittelwert. Wenn er unterhalb der für 20 Jahre durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) garantierten Einspeisevergütung in Höhe von 8,5 Cent je Kilowattstunde liegt, wird aus Mitteln des EEG entsprechend aufgestockt. Wenn der Vermarktungspartner einen höheren mittleren Preis erwirtschaftet, haben wir die Chance auf einen Mehrertrag. Für die Prognoserechnung wurde der EEG-Preis angesetzt.

Bis wann wird die Projektgesellschaft laut Plan alle Schulden abbezahlt haben?

Die Schulden werden nach 16 Jahren vollständig getilgt sein, dann läuft auch die Abschreibung für die Windkraftanlagen aus. Deshalb sind die höchsten Ausschüttungen an die Genossenschaftler auch für die letzten Jahre vorgesehen, wenn die Gesellschaft schuldenfrei ist.

Ist die Laufzeit der Genossenschaft auf die 20 Jahre begrenzt, für die es garantierte Einspeiseerlöse aus dem EEG gibt?

Das ist offen. Es ist durchaus denkbar, dass sich die Anlagen auch nach 20 Jahren noch wirtschaftlich weiter betreiben lassen. Alternativ könnte es sich auch anbieten, ein sogenanntes ‚Repowering‘ vorzunehmen, also an den Standorten neue Anlagen zu errichten. Die Entscheidung darüber trifft zu gegebener Zeit die Mitgliederversammlung der Genossenschaft.

Was passiert, wenn die Genossenschaft aufgrund außerordentlicher Ereignisse in einem Geschäftsjahr keine Ausschüttung zahlen kann?

Wenn die wirtschaftliche Situation das erlaubt, wird man die Ausschüttung in den Folgejahren nachzahlen.

Kann man seine Genossenschaftsanteile verkaufen, wenn man das Geld braucht?

Unsere Satzung sieht eine fünfjährige Kündigungsfrist vor. Im Idealfall findet sich ein Nachfolger, der die Genossenschaftsanteile übernimmt. Dann wäre auch ein kurzfristigeres Ausscheiden denkbar. Die Entscheidung darüber trifft der Vorstand der Genossenschaft. Anleger sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass es sich bei der Beteiligung am Bürgerwindpark Kalkriese um ein langfristiges Investment handelt.

Bis wann können die Bramscher denn noch Genossenschaftsanteile zeichnen?

Die reguläre Zeichnungsfrist endet am 31. Mai. Wenn bis dann genügend Eigenkapital zusammenkommt, würden wir im Vorstand kurzfristig entscheiden, wer sich mit welchem Betrag beteiligen kann. Dabei gilt: Kalkriese wird bevorzugt behandelt. Die zukünftigen Mitglieder der Genossenschaft erhalten anschließend eine schriftliche Mitteilung. Bis zum 15. Juni müssen sie dann dafür sorgen, dass ein entsprechender Betrag auf ihrem Bankkonto zur Verfügung steht. Wenn das Zeichnungsvolumen im ersten Anlauf nicht ausreicht, werden wir die Zeichnungsfrist voraussichtlich bis zum 20. Juni verlängern.

Wie sehen Sie das Projekt ganz persönlich?

Die Stadtwerke Bramsche haben sich an dem Windpark beteiligt. Wir wussten, wie verlässlich und wirtschaftlich das Projekt entwickelt worden ist. Mit geringst möglichen Kosten und enormem Engagement von Leuten aus der Region. Ich werde ja bald in Rente gehen. Dieses Projekt gehört zu den schönsten Erlebnissen meiner 46-jährigen Amtszeit bei den Stadtwerken.

Bei zwei Fragen verwies Dieter Holzgrefe im Interview mit unserer Redaktion auf die Windpark I Kalkriese GmbH & Co. KG. Deren Ko-Geschäftsführer Ralf Große-Endebrock stand uns kurzfristig Rede und Antwort. Er erklärte, wer die Investoren der Betreiber-KG sind und bei wem die Verantwortung für die kaufmännische und technische Betriebsführung des Windparks liegt.

„Bis auf zwei Ausnahmen sind die 63 Kommanditisten unserer Gesellschaft Eigentümer der Grundstücke, auf denen unser Windpark errichtet wurde“, so Ralf Große-Endebrock. „Dabei handelt es sich in der Regel um Leute aus der Region , vier Fünftel von ihnen wohnen im Postleitzahlbereich 49565.“ Die beiden Ausnahmen seien die Stadtwerke Bramsche und die Volksbank Bramgau-Wittlage. Die Stadt sei Grundstückseigner, die Stadtwerke seien „von Beginn an ein wichtiger Kooperationspartner“. Die Volksbank habe keine Grundstücke, „sie unterstützt uns aber bei der Vermarktung der Genossenschaftsanteile“, so Große-Endebrock. Ihre Beteiligung an der KG sei dabei auf einen geringen Betrag gedeckelt worden. „Für Auswärtige gab es keine Chance, sich an der Gesellschaft zu beteiligen“, so der Landwirt.

Für die kaufmännische und technische Betriebsführung habe man mit der Deutschen WindGuard aus Varel einen erfahrenen Partner aus der Branche gewonnen. In der Anfangszeit werde das Unternehmen beide Aufgabenbereiche zu 100 Prozent verantworten. „Gleichzeitig wird der Partner Ralf Finke und mich einarbeiten. Im zweiten Jahr übernehmen wir die Aufgaben in die eigene Verantwortung. In der technischen Betriebsführung werden wir dafür mit der iNeG zusammenarbeiten. Die Deutsche WindGuard wird die Arbeit kontrollierend begleiten“, erläutert Große-Endebrock. In der kaufmännischen Geschäftsführung helfe der Genossenschaftsverband Weser-Ems. „Dort kennt man sich mit diesem Geschäftsfeld bestens aus“, sagt der Landwirt. Der Genossenschaftsverband werde das Rechnungswesen, die Steuerprüfung und die Abschlüsse übernehmen.“

 

Ein Artikel von Christoph Lützenkirchen

http://www.noz.de/lokales/bramsche/artikel/713546/geldanlage-in-kalkriese-alle-risiken-berucksichtigt

Quelle: NOZ

 

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